Vor fünfzig Jahren schrieb unser Chronist, Lehrer Heinrich Jung:
1961
Wenn wir das vergangene Jahr rückblickend überschauen, stellen wir vor allem fest, dass es sehr naß und regnerisch war. Wie schon im Jahr 1960 wollte der Regen kein Ende nehmen. Einige starke Regenfälle führten zu dem stärksten Sommerhochwasser seit dem Jahr 1946. Natürlich richtete dieses Hochwasser viele Schäden an. Ich glaube aber nicht, dass es den endgültigen Anstoß zum Bau des Rückhaltebeckens gegeben hat.
Wie aus den Zeitungsausschnitten der vergangenen Jahre zu ersehen ist, waren um den Bau des Beckens und um die Ulmbachregulierung heftige Debatten geführt worden. Nachdem keine Einigung erzielt werden konnte, verstummten sie.
Der nebenstehende Zeitungsausschnitt zeigt uns, wie der Schlussstrich unter die Debatten gezogen wurde. ( Es handelt sich hierbei um einen Zeitungsartikel aus der „Wetzlarer Zeitung“ mit dem Titel: „Jetzt wird auch der Ulmbach gezähmt.“)
Bereits im Vorsommer begannen die Bohrungen zur Untersuchung der Bodenverhältnisse. Jeweils 20 m tiefe Bohrlöcher gaben Auskunft über die Wasserdurchlässigkeit der Bodenschichten. Im Spätsommer wurden die Bodenschichten mit flüssigem Zement ausgepresst.
In den Wintermonaten mussten die Buchen auf dem in Zukunft unter Wasser stehendem Hang gefällt werden.
Zum ersten Mal in unserer Geschichte standen keine einheimischen Holzfäller zur Verfügung. Das Holz wurde von einer Westerburger Firma von österreichischen Arbeitskräften gefällt. Die Arbeiter kamen aus dem Deffregental in Südtirol.
Am 11. März veranstaltete die Schule eine gutbesuchte Handarbeits- und Werkausstellung.Was in den Wintermonaten mit unendlich viel Fleiß erschaffen worden war, wurde hier auf den Tischen ausgebreitet und den Eltern und Freunden gezeigt.
Die Motorjacht mit Fernsteuerung hat sich in den Sommermonaten glänzend bewährt. Die freiwillige Spende belief sich auf 136 DM.
Die Zusammenlegung war im vergangenen Jahr im vollen Gange. Die Bodenproben wurden genommen. Vor allem begann man mit dem Bau von Vorflutern und Wegen.
Auf der folgenden Seite hat Herr Jung zwei Zeitungsartikel aus der „Wetzlarer Zeitung“ platziert.
1. „Abschied in der Ulmer Kirche“. Pfarrer Hufschmidt hielt nach sechsjähriger Amtszeit dieletzte Predigt.
2. „Am Bahnübergang blinken nun Lichter“. Bahnblinklicht-Anlage in Holzhausen installiert.
Dann geht es weiter im Text:
Zunächst wurde der Obstbaumbestand unter die Lupe genommen. Nur wenige Bäume überstanden diese kritische Musterung.
Dann begann man mit dem Wegebau. Zuerst am Rande der Gemarkung am Hochbehälter und am Steimel.
Ja und was wäre sonst noch von dem Jahr 1961 zu sagen? Der Wohlstand geht weiter.
Der Besitz eines Autos gehört zum guten Ton. Hoffen wir, dass es so bleibt.
Zu berichten wäre auch von der unglaublichen Mäuseplage. Es gab Felder, auf denen der Bauer nichts mehr zu ernten brauchte.
Zum Schluß noch einige statistische Angaben 800 Einwohner
18 Geburten
8 Todesfälle
12 Eheschließungen
20 zogen zu
24 zogen weg.
Möge uns auch im Jahr 1962 Gott zur Seite stehen.
Holzhausen, im Januar 1962
gez. H. Jung, Lehrer