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Vor fünfzig Jahren hielt Herr Heinrich Jung, langjähriger Leiter der Volksschule in Holzhausen, folgende Ereignisse fest:

Das Jahr 1960

Der Chronist schaut wieder einmal zurück auf ein vergangenes Jahr und muss feststellen, dass doch allerhand Berichtenswertes vorgefallen ist. 

Beginnen wir gleich damit. Lange Vorreden sind sowieso uninteressant. 

Wie im Vorjahre bereits berichtet, hatte die Bürgerversammlung dem Einbau von Wasseruhren zugestimmt. Die Wassernot des vergangenen Sommers hatte manchen „ja“ sagen lassen, der sonst wohl dagegen gewesen wäre. Gefördert wurde das Projekt noch durch die Tatsache, dass der vergangene Winter sehr regenarm war und bei nicht ausreichenden Niederschlägen im Sommer eine neue Wassernot drohte. So wurde im März mit dem Einbau der Wasseruhren begonnen. Die Kosten beliefen sich auf etwa 10.000 DM, die von den einzelnen Haushalten als Darlehen der Gemeinde gegeben wurden. 

Die Monate Mai und Juni waren sehr niederschlagsarm und trocken. In dieser Zeit, die ohne Zweifel zu größten Engpässen in der Wasserversorgung geführt hätten, bewährten sich die Wasseruhren zum ersten Mal. Statt des Verbrauchs von täglich über 100 Kubikmeter am Tag sank er selbst in der trockensten Zeit auf 45 bis 50 Kubikmeter pro Tag. Damit hatten alle die Recht behalten, die sich von dem Einbau der Wasseruhren eine Verbesserung der Wasserversorgung versprachen.

(Hier zeigt Herr Jung einen Zeitungsartikel aus der „Wetzlarer Zeitung“ vom 19. Januar 1960 mit dem Titel: „Bürgschaft für Einbau von Wasseruhren – Holzhausens Hausbesitzer finanzieren die Anschaffung; Vorläufige Müllabfuhr eingeführt“ – Anmerkung Dorfarchiv) 

Wie bereits erwähnt, war der Vorsommer sehr trocken. Die Landwirte hegten die schlimmsten Befürchtungen. Aber dann kam es, wie schon so oft, ganz anders. 

Anfang Juli fing es an zu regnen, ja und dann hat es bis zum Ende des Jahres eigentlich nur noch geregnet. Wenn man der Statistik Glauben schenken darf, dann war es wirklich der feuchteste Sommer seit langer, langer Zeit. Nur unter größten Schwierigkeiten konnte die Ernte eingebracht werden. Viele Landwirte mussten ihr Getreide wegen des hohen Feuchtigkeitsgehaltes unter Preis absetzen. Wirklich trockene Kartoffeln hat wohl kein Bauer einkellern können. Hoffen wir auf ein klimatisch besseres Jahr. 

Aber schon im März hatte unsere evangelische Kirchengemeinde ein frohes Ereignis festlich begehen können. Die Einweihung einer Orgel. In früheren Jahren hatte die Gemeinde ohne musikalische Begleitung singen müssen. Danach war ein Harmonium angeschafft worden. Erst im vergangenen Jahr bot sich uns die Möglichkeit eine Orgel anzuschaffen.

Die Kosten beliefen sich auf insgesamt 8.000 DM. Tausend Mark spendete die Gemeinde. Der Rest wurde von der Rheinischen Kirche übernommen. 

(Hier sieht man einen Zeitungsartikel aus der „Wetzlarer Zeitung“ mit der Überschrift:

„Kommt, kommt, den Herrn zu preisen!“ – Seit Sonntag hat das Gotteshaus in Holzhausen endlich eine Orgel -) 

Das im Vorjahr eingeführte Flurbereinigungsverfahren kommt nur sehr langsam voran. Erst im kommenden Jahr soll es mit Macht losgehen. Bis jetzt wurden nur Bodenproben genommen und Grenzsteine angeliefert. 

(Anmerkung Dorfarchiv: Es folgen Artikel aus der „Wetzlarer Zeitung“

 

- am 19. 02. 1960     Keine Ulmtalsperre ? Das Projekt wurde zugunsten der Weiltalsperre zurückgestellt

- am 20. 02. 1960     Land soll Ulmtalsperre fördern – Mdl Schauß (FDP) : 50.000 Mark  für Planungsarbeiten bereitstellen! 

- am 25. 02. 1960     Den Ulmbach mit naturnahen Mitteln bändigen 

Ulmtal voller Wunder – Entdeckungsfahrt der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde

- am 12. 03. 1960     MdL Dr. Best: „Ulmbachtalsperre wird nicht gebaut“ ) –

 

Gewissenhaft haben wir in den vergangenen Jahren alle Diskussionsbeiträge zum Thema:

„Ulmbachtalsperre“ aufgehoben und eingeklebt. Sollte mit obiger kleiner Zeitungsnotiz alles beendet sein? Es scheint so. Denn in den übrigen neun Monaten des Jahres ist kein Wort mehr gefallen. Für uns bleibt aber die Frage, was die Behörden zur Bändigung des Ulmbaches nun wirklich tun werden. Na ja! Warten wir einmal ab. 

Nach dem Gesangverein und der Feuerwehr hatte auch der Sportverein im vergangenen Jahr sein festliches Ereignis.

Das Fest verlief im Gegensatz zu den beiden anderen unter dem Wohlwollen des Wettergottes und wurde somit zu einem vollen Erfolg. Alles andere besagen wohl zur Genüge die beigefügten Zeitungsberichte. 

(Anmerkung Dorfarchiv: Überschriften der Artikel aus der „Wetzlarer Zeitung“:

 

-           Sportfest in Holzhausen: Ein großes Ereignis für das ganze UlmtalGäste aus Holland und Belgien beim Kommers Viele Glückwünsche und Geschenke

-           Jubiläumssportfest in Holzhausen

-           40 Jahre Turn- und Sportverein HolzhausenGroße Turniere der Jugend und Aktiven/ Hauptspiel Ulm Vgg. – BC Sinn )

 

Und wieder einmal wurde gewählt. Eine echte Wahl war es allerdings nicht, denn bei nur einem Wahlvorschlag kann man ja wohl nicht mehr wählen. Schon in vorausgegangener Bürgerversammlung hatte Bürgermeister Würz einen Rechenschaftsbericht über die vergangene Legislaturperiode gegeben, und man war allgemein über die bisher bewährte Leitung so zufrieden, dass die Versammlung mit großer Mehrheit die Aufstellung einer Gemeinschaftsliste beschloss. D. h. der bisherige Gemeinderat sollte wieder geschlossen kandidieren. Diese Tatsache stimmt doch eigentlich tröstlich, wenn man bedenkt, wie man sich noch vor vier Jahren angefeindet hatte. Für Bürgermeister Würz, der zum 4. Male wiedergewählt wurde und schon seit 1946 Bürgermeister ist, bedeutete dieses eine Befriedigung und eine Bestätigung für die Richtigkeit seiner bisherigen Handlungsweise. 

( Anmerkung Dorfarchiv: Stimmzettel für die Kreiswahl und die Gemeinderatswahl mit den Ergebnissen für Holzhausen befinden sich in der Chronik ). 

Zu berichten wäre auch noch, dass die Oberstufe der Schule im August 14 Tage im Zeltlager Lenste an der Ostsee weilte. Es war eine herrliche Zeit.

7 Sterbefällen standen 6 Geburten gegenüber. 

Infolge der wirtschaftlichen Hochkonjunktur konnte die Gemeinde nur zwei Holzfäller für den Holzeinschlag gewinnen, während es im Jahr 1926 46 Männer waren.

(Anmerkung Dorfarchiv: Zum Abschluss zeigt Herr Jung noch einen Artikel der „Wetzlarer Zeitung“ vom 16. Dez. 1960, der sich mit dem spektakulären Unfall eines Langholztransportes befasst, der bei eisglatter Straße am Steilhang unterhalb des Friedhofs ins Rutschen kam und den Hang hinab stürzte. Verletzt wurde niemand.)

Möge Gott uns auch im Jahr 1961 behüten.

 

H. Jung, Lehrer

 

 

 

 

 

 

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