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Die Ulmbachtalsperre

Bericht von Joachim Kohl

Erster Eintrag im Bautagebuch: 15.11.63 - Wegen starkem Regen noch keine Aufnahme der Bauarbeiten. Am Vortage Baustellenbegehung mit Vertreter der EAM wegen der Stromzuführung.

Die Natur versteht keinen Spaß,
Sie ist immer wahr, immer ernst,
immer strenge, sie hat immer recht
und die Fehl und Irrtümer
sind immer die des Menschen.

Johann Wolfgang von Goethe

Nun wenigstens zum Bau der Ulmbachtalsperre irrt der große Dichter. Hier musste zum Wohle der Menschen in  die Natur eingegriffen werden. Der Ulmbach ist ein kleines Gewässer mit wildbachartigem Charakter. So wurde unser Ulmbach einst beschrieben. Dazu schrieb Herr Anschütz im Biskirchener Heimatkalender von 1989:

Ein rauher Geselle

Der Bach bestimmt seine Landschaft im Winter mächtig brausend, im Sommer wasserarm und klein. Der Ulmtaler kennt seinen Bach, den rauen Gesellen, den echten „Westerwälder Buben“, dem nichts übel zu nehmen ist. In den Tagen der Schneeschmelze oder bei plötzlichen Unwettern ist er unberechenbar und hat in den Jahrhunderten seiner Geschichte schon unschätzbaren Schaden zugefügt. Nicht nur, dass er Felder und Wiesen überschwemmte, er reißt auch Stücke aus seinen Ufern und gräbt Löcher in sein eigenes Bett aus denen das Wasser gurgelnd spült.

Etwas südlich des Dorfes Mademühlen auf 530 m über NN entspringt der Ulmbach. Nach etwa 22 km mündet er bei Biskirchen in die Lahn. Das Niederschlagsgebiet des Ulmbachs umfasst ca. 59 km².

Und, weil unser Ulmbach manches Mal ganz wild wird, wurde im Jahre 1963 mit dem Bau einer Talsperre begonnen. Zwischen Beilstein und Holzhausen, an der ehemaligen Grenze zwischen dem Kreis Wetzlar und Dillkreis liegt die Ulmbach Talsperre. Sie hat die Aufgabe den Mittel- und Unterlauf des sehr hochwassergefährlichen und mit starkem Gefälle zu Tal fließenden Ulmbach bis zu seiner Mündung in die Lahn vor Hochwasserschäden zu schützen. Das Gefälle auf dieser Strecke von etwa 10 km ca. beträgt 250 m.

Bauausführende Firmen:

  • Bauliche Anlagen, Hauptteil: Jakob Müller OHG, Gönnern
  • Bituminöse Außenhautabdichtung des Dammes: Strabag Bau AG, Köln
  • Untergrundabdichtung: Johann Keller, Dinkelscherben
  • Armaturen und Steuerung: Ferrum GmbH, Frankfurt/M
  • Rohrleitung und stähl. Fußgängersteg: Dillinger Maschinenfabrik, Dillingen/Saar

Baubeginn war der November 1963 und die Fertigstellung und Inbetriebnahme 14.07.1966. Seither ist das Hochwasserrückhaltebecken Ulmbach in Betrieb. Die Gesamtkosten der Ulmbachtalsperre betrugen 7.459.302,22 DM. Der Bund und das Land Hessen trugen ca. 95 % der Baukosten.

Bei dem Damm handelt es sich um einen Steinschüttdamm mit Asphaltbetonaußendichtung. Hierzu wurde das Gestein verwendet, welches bei den Ausschachtungsarbeiten zum Bau der Talsperre zu Tage gefördert wurde. Auch Basalt aus den nahen Steinbrüchen in Beilstein wurd für den Bau des Staudamms verwendet. Die Höhe des Damms beträgt 19,50 m, die Sohlenbreite im Taltiefsten 70 m und die Kronenbreite 4,50 m. Der Staudamm ist ca. 280 m lang. Das Fassungsvermögen des Staubeckens bei s. g. Voll-Stau beträgt 721.000 m³. Das Wassereinzugsgebiet der Talsperre beträgt 28,75 km². Der mittlere Jahreszufluss liegt bei 13,96 Mio. m³.

Schon im Jahr 1936 kam eine Kommission nach Besichtigung der Hochwasserschäden  zur Ansicht, dass ein Ausbau des Bachbettes wenig nütze, wenn nicht in dem Gebiet, in dem der Ulmbach wildbachähnlichen Charakter annehme, ein Rückhaltebecken gebaut werde. In den Jahren 1941 bis 1960 wurden 27 Hochwässer des Ulmbachs registriert. Bereits 1956 gab es Bemühungen einer dauerhaften Lösung des Problems des immer wiederkehrenden Hochwassers mittels eines Rückhaltebeckens zu begegnen. Unter dem Eindruck der Hochwasserschäden fand erstmals 1956 in Biskirchen unter Beteiligung einer Regierungskommission eine Besprechung statt. Einem Ausbau des Bachbettes wurde kein langfristiger Schutz vor dem Hochwasser eingeräumt. Nach Fertigstellung des Hochwasserrückhaltebeckens (HWRB) besserte sich die Lage der Ulmtalgemeinden entscheidend - bis auf Biskirchen. Dort musste ab Gertrudisbrunnen bis zur Einmündung in die Lahn das Bachbett noch vertieft und verbreitert werden, um auch da die Hochwassergefahr zu bannen. Zunächst war die Gemeinde Beilstein gegen den Bau der Talsperre. Sie war der Meinung, dass die Landwirtschaft durch den Bau des HWRB schweren Schaden nehmen kann. Es konnte jedoch eine Einigung erzielt werden und Beilstein trat schließlich dem Ulmbachverband bei. Einige Naturschützer aus dem Kreisgebiet versuchten durch Eingaben an verschiedenen Stellen den Bau des Rückhaltebeckens zu verhindern. 1961 wurde der Ulmbachverband gegründet. Er bestand damals aus den sieben Gemeinden Greifenstein, Beilstein, Holzhausen, Ulm, Allendorf, Bissenberg, Biskirchen sowie dem Kreis Wetzlar. Die Schwierigkeiten bei der Gründung des Ulmbachverbandes lagen damals schon bei der Finanzierung. Die finanzschwachen Ulmtalgemeinden sollten immerhin 70.000 DM jährlich hierfür aufbringen. Nur durch den Beitritt des Landkreiskreis Wetzlar zum Ulmbachverband, welcher dann den größten Teil der aufzubringender Beitragsmittel trug, konnte das Problem gelöst werden. Der Verteilungsschlüssel sah damals wie folgt aus:

Greifenstein1.000 DM
Holzhausen8.000 DM
Ulm4.000 DM
Allendorf6.500 DM
Bissenberg3.000 DM
Beilstein1.000 DM
Kreis Wetzlar 40.000 DM

Nach einigen Verzögerungen, die auch wieder am Geld lagen (Landesmittel), wurde das Projekt vom Land Hessen 1961 schließlich als förderungswürdig anerkannt. Im Sommer 1963 erfolgte schließlich durch die Fa. Jakob Müller, Gönnern die Baustelleneinrichtung. Vor und während der Bauphase gab es immer wieder Presseberichte, die das Projekt sehr kritisch sahen. Hierzu ist anzumerken, dass alle Beschlüsse zum HWRB im Kreistag und dem Ulmbachverband einstimmig gefasst wurden. Die Grundsteinlegung erfolgte am 24.07.1964. Bei der Grundsteinlegung waren ca. 100 geladene Gäste dabei. Der Ulmbachverband hat zur Grundsteinlegung den damaligen Ministerpräsidenten von Hessen Dr. Georg August Zinn als Redner für die Festansprache eingeladen. Dieser lehnte mit dem Hinweis ab, dass für das Projekt Ulmtalsperre der Minister für Landwirtschaft und Forsten Herr Gustav Hacker zuständig sei. Letztendlich hielt Landrat Schubert die Festrede zur Grundsteinlegung und von der Landesregierung nahm Regierungspräsident Herr Karl Wittlock an der Feierstunde teil. Unter den weiteren Gästen aus Politik und Wirtschaft waren der damalige Landtagsabgeordneten Dr. Best, Frau Matuscheck und der Bundestagsabgeordnete Wilhelm Reitz.

Im Laufe der Jahre  wurden verschiedene Wartungs- und Sanierungsarbeiten an der Ulmbachtalsperre notwendig. So wurde in den Jahren 1991 und 2006 - 2007 sowie 2012 - 2013 an der Talsperre gearbeitet. Hierbei wurde das Wahrzeichen, der Turm in der Talsperre, abgerissen und das gesamte Ablasssystem und Betriebsgebäude erneuert. Die Investitionskosten der letzten fünf Jahre betrugen für die/zur

  • Optimierung der Talsperre 3.050.000 € (Zuschuß 2.311.750 €), 
  • Sanierung des Betriebswegs 65.000 €,
  • Erneuerung der Aspahltaußendichtung 1.800.000 € (Zuschuß 1.486.000 €),
  • Entfernung der Ablagerung im Staubecken 480.000 €.

Neben der wichtigsten Aufgabe, die des Hochwasserschutzes der unteren Ulmbachregion, dient die Ulmbachtalsperre auch als Naherholungs- und Fischereigebiet. Durch die Anlage eines Campingplatzes mit Gastronomie wird auch der Tourismus in unserer Heimatregion gefördert. Der Campingplatz umfasst 300 Dauerstellplätze und 80 Touristenplätze. Heute betreibt die Familie Weller den Campingplatz. Der gelernte Großhandelskaufmann übernahm die Pacht am 01.04.1978 mit seiner Ehefrau von der Gemeinde Greifenstein. Das Gelände umfasst 18 ha, wovon 6 ha für die Stellplätze genutzt werden. Die von dem ersten Pächter, Herrn Löber, errichtete Campinganlage wurde von der Fam. Weller im Laufe der Zeit ausgebaut. Heute ist der Campingplatz an der Ulmbachtalsperre eine moderne Freizeitanlage. 

Der Ulmbach
von Joachim Kohl

Die Quelle der Ulmbach bei Mademühlen liegt,
sie ist in tausend Jahren nie versiegt.

Er teilt Münchhausen in zwei Teile
und fließt weiter ohne große Eile.

Durch Heiern, Beilstein und Wallendorfs Wald,
macht er erst an der großen Sperrmauer halt.

Die Ulmbachtalsperre bring ihn kurz zum Verweilen,
um dann weiter durch Holzhausens Wiesen und Wald zu eilen.

Ulm und Allendorf stehen als nächstes auf seinem Plan,
bevor er sich bei Biskirchen vereint mit der Lahn.

So manches Pärchen sich die Liebe gestand,
an des Ulmbachs steinigem Strand.

Fische, Krebse, Wasserfloh
sind im Wasser der Ulmbach froh.

Ihnen bietet der Bach ein schönes Zuhause,
auch mancher Angler macht an seinem Ufer ne Pause.

Ein Stück Heimat ist dieser kleine Fluss,
und mit meinen Versen mach ich jetzt Schluss.

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