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Das Jahr 1951

Es gibt Jahre in der der Geschichte eines Dorfes denen der Chronist nichts Bemerkenswertes berichten kann. Andere wieder sind übervoll von Ereignissen, guten und schlechten.

Zweifellos gehört das Jahr 1951 für unser Dorf unter die 2. Gruppe. Glücklicherweise brauch von bösen Ereignissen nichts erzählt zu werden, wenn man davon absieht, dass die von dem Trafohaus zu Dreschhalle führende Lichtleitung gestohlen wurde. Vielleicht ist es für den späteren Leser nicht interessant zu erfahren, wie es dazu kommen konnte. Seit Ausbruch des Koreakrieges sind in der Welt die Rohstoffpreise für Buntmetalle erheblich gestiegen. Manchmal werden das vier-und fünffache des normalen Preises gezahlt. Was wundert es, wenn lichtscheue Elemente und Tagediebe mit allen Mitteln versuchen dieser Metalle habhaft zu werden. So fiel ihnen auch dieses Kupferkabel zum Opfer. Bisher konnten die Täter nicht gestellt werden. Inzwischen wurde das Kupferkabel durch eine Aluminiumleitung ersetzt. Soweit das Unerfreuliche.

Alle anderen Mitteilungen sind jedoch erfreulicher Art. So stehen z.B. nach einer Mitteilung des Standesamtes der erstaunlich hohen Anzahl von 17 Geburten nur 4 Sterbefälle gegenüber. In den Monaten von Mai bis Dezember mied der Knochenmann gänzlich unser Dörfchen. Dieses liegt wohl daran begründet, dass nach den furchtbaren Kriegsjahren und den fast noch schlimmeren Hungerjahren der Nachkriegszeit die Sterblichkeitsziffer bei alten Leuten wieder im Sinken begriffen ist.

Besonders rege war in diesem Jahre die Bautätigkeit. Links der Beilsteiner Straße hinter der Abzweigung nach Rodenroth, wurden von Flüchtlingen 4 Neubauten in Angriff genommen. Einer konnte bereits im Rohbau fertiggestellt werden. Es ist erstaunlich wie gerade die Flüchtlinge, die sich auf keinerlei Eigentum und Vermögen stützen können, immer wieder den Mut zu einem solchen Wagnis aufbringen können. Ein 1 1/2 stöckiger Neubau kostet augenblicklich bis zu 20 000 DM bei einem durchschnittlichen Monatsverdienst von 250 DM. Oftmals ist es der Mut der Verzweiflung, der sie diesen Schritt tun lässt, denn es ist die einzige Möglichkeit, um zu einer anständigen Wohnung zu kommen. Insgesamt wurden seit 1946 17 Neubauten in Angriff genommen und zum Teil vollendet.

Das am Bahnhof gelegene und der Fa. Keiner, Ehringshausen gehörende Sägewerk wurde verkauft und von der Fa. Rink, Aßlar erworben. Der Kaufpreis soll 45 000 DM betragen. Inzwischen hat das Sägewerk einen beachtlichen Aufschwung genommen. Die Schneidhalle wurde Massiv unterfangen und die hinter dem Werk liegenden Äcker für einen Holzlagerplatz dazugekauft.

Sehr hoch war der Wildschaden. Die in großer Anzahl vorhandenen Wildschweine haben einzelne, im Herbst ausgestellte Roggenfelder gänzlich verwüstet. In ohnmächtiger Wut steht der Bauer vor seinem verwüsteten Land, denn noch sind nicht eine genügende Anzahl von Gewehren zur Wildschweinbekämpfung von der Besatzungsmacht freigegeben worden. Zwar wurden schon etliche erlegt, ohne jedoch eine durchgreifende Änderung herbeizuführen. Demgegenüber ist der übrige Wildbestand sehr schlecht. Bei einer großangelegten Treibjagt konnten nur ein Hase und eine Schnepfe geschossen werden. Schuld daran sind die in ebenfalls großer Anzahl vorhandenen Füchse. Wie die Wildschweine konnten sie sich in der "gewehrlosen" Zeit ungehindert vermehren. Ihre schöne Zeit scheint jedoch auch vorüber zu sein, denn allein in den vergangenen Monaten konnten über 20 Füchse erlegt werden. So ist zu hoffen, dass man bald wieder eher einmal bei einer Wanderung einen Hasen oder ein Reh zu sehen bekommt.

Soweit die kleinen Geschehnisse des Alltags. Das alles übertreffende Ereignis war im Vergangenen Jahre, die Einweihung unserer neuen, prächtigen Schule die am 20.Oktober stattfinden konnte. Da über die Feier selber, der Zeitungsausschnitt eingehend berichtet, möchte ich mehr von der Geschichte des Baues berichten.

Wie im Jahre 1950 bereits aufgezeichnet wurde, konnte die Schule im Herbst noch im Rohbau erstellt werden. Schon im zeitigen Frühjahr wurde mit dem weiteren Ausbau begonnen. Als Termin der Fertigstellung wurde der 1. Juni genannt, aber er musste noch weit hinausgeschoben werden, denn viele Schwierigkeiten waren aus dem Wege zu räumen. Oftmals musste der Bürgermeister und Gemeinderat in einer Schnellsitzung wichtige Beschlüsse über die weitere innere Ausgestaltung der Schule fassen. Zu einem weiteren, sehr wichtigen Beschluss konnte sich die Gemeindevertretung im Monat Mai durchringen, dem Ausbau der alten Schule zu zwei Lehrerdienstwohnungen. Entschlusskraft und Mut dieser Leute muss man aufrichtig bewundern. Nach Beginn der großen Ferien am 1. Juli wurde sofort mit dem Neubau begonnen und bis Ende Oktober beinahe fertiggestellt. An dem Schulneubau wurde inzwischen fleißig weitergearbeitet. Bei der gesamten inneren Ausgestaltung galt die Devise: "Das Beste ist gerade gut genug". So wurden alle Räume mit Parkett ausgelegt, im Keller eine wunderbare Badeanlage eingerichtet, der Gruppenraum mit einer ausgezeichneten Verdunklungsvorrichtung versehen und ein Schulsaal mit Tischen und Stühlen versehen, um nur einige Vorzüge zu nennen.

So konnte am 20. Oktober zu dem Stolzen Akt der Schuleinweihung geschritten werden. Zu erwähnen ist noch, dass in den Monaten von August bis Oktober, der Unterricht im Saal von Friedrich Simon abgehalten werden Musste, da die alte Schule ja umgebaut wurde. Von der Feier selbst gibt folgender Zeitungsausschnitt Auskunft.

Festakt zur Schuleinweihung
Zeitungsbericht der WNZ

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