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1959

Herr Heinrich Jung, der Leiter der Volksschule in Holzhausen führte jahrelang die Dorfchronik für unser Dorf. Für das Jahr 1959 notierte er folgende Ereignisse:

Auch das vergangene Jahr brachte für unser kleines Dörfchen keine überwältigenden Ereignisse. Und eigentlich ist es gut so. "Neuigkeiten taugen meistens nichts", ist eine landläufige Redensart. Und ich bin beinahe davon überzeugt. Trotzdem ist doch allerhand geschehen.

Gewiss verliefen die Wintermonate ruhig und man erzählte sich noch immer die Neuigkeiten wozu man in den arbeitsreichen Sommertagen keine Zeit hatte.

Anfang März beschloss die Schule ihre Winterarbeit mit einer gutbesuchten Werkausstellung. Auch mit ansehnlichen freiwilligen Spenden hatten die Besucher nicht geknausert.

Zu derselben Zeit zeigte es sich immer deutlicher, dass unser kleines Dörfchen die beste Mannschaft in der Fußball-B-Klasse stellen würde. Anfang April hatte die Mannschaft das ersehnte Ziel erreicht. Der Aufstieg zur A-Klasse war geschafft und mit einer herrlichen Meisterschaftsfeier wurde das Ereignis gefeiert. Die Vorrunde in der A-Klasse wurde mit guten Ergebnissen abgeschlossen.

Das Bemerkenswerteste am vergangenen Jahr war ohne Zweifel der trockene Sommer. Schon im Frühjahr hatte es sehr wenig geregnet. Zum wirklichen Notstand kam es aber erst im Sommer. Wochenlang fiel kein Tropfen Regen und der blaue Himmel mit hellstrahlender Sonne wurde zum Alpdruck der Landwirte. Die Grummeternte entfiel und mit Sorge dachten die Bauern an den kommenden Winter. Das Angebot an Rindvieh war im Herbst so groß, dass der Metzger nur auf weite Voranmeldung kaufte und dabei die Preise natürlich stark sanken. Der ungewöhnlich trockene Sommer brachte aber noch eine zweite Erscheinung die sich weit schwerer auswirkte: die Schüttung der beiden Quellen wurde immer geringer.

Dazu möchte ich noch bemerken, dass der Wasserverbrauch tatsächlich sehr groß ist. Wahrscheinlich würde der Einbau von Wasseruhren diesen Notstand beheben.

Ein weiteres großes Projekt wurde im Herbst in Angriff genommen. Der Ausbau der Bahnhofsstraße. Schon immer hatten sich die Arbeiter darüber beschwert, dass sie den Weg zum und vom Bahnhof über Kopfsteine und tiefe Schlaglöcher zurücklegen müssten. Diese Beschwerden entsprachen den tatsächlichen Gegebenheiten. Daraufhin entschloss sich der Gemeinderat den Bahnhofsweg gründlich auszubauen. Wer ihn jetzt betrachtet und darüber wandert kann nur den Gemeinderat beglückwünschen. Die Kosten beliefen sich auf über 50.000.—DM. Allerdings musste der Weg für alle Pferdefuhrwerke gesperrt werden. Die Bautätigkeit auf kommunaler Ebene wird allerdings in den nächsten Jahren nachlassen, denn die Holzpreise haben noch mal nachgegeben.

Die Schulkinderzahl betrug im vergangenen Jahr 99 Kinder. Wir hoffen auf ein gutes neues Jahr.

Heinrich Jung, Lehrer

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