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1958

Herr Heinrich Jung, der Leiter der Volksschule in Holzhausen führte jahrelang die Dorfchronik für unser Dorf. Für das Jahr 1958 notierte er folgende Ereignisse:

Schon im vergangenen Jahr war mit der Neufassung der Quelle oberhalb des Bahndammes begonnen worden. In den letzten Jahren war die Ergiebigkeit der Quelle immer geringer geworden. Das Wasser kam aus einem alten Stollen, der durch den Bahnbau am Eingang zusammengestürzt war. Man versuchte nun mit dem Bagger der Fa. Fritz & Becker den Stollen oberhalb des Bahndammes freizulegen in der Annahme, dass sich das Wasser einen anderen Weg gesucht hätte.

Diese Annahme fand man bestätigt, als man in etwa 4 Meter Tiefe auf den alten Stollen stieß und das herausströmende Wasser nur mit Hilfe von starken Pumpen wegbringen konnte. Zeitweise mussten die Arbeiten durch die einsetzende Kälte unterbrochen werden. Schon im zeitigen Frühjahr wurden dann die Arbeiten zu Ende geführt. Der Stollen wurde auf eine längere Strecke ausgemauert und der übrige guterhaltene Teil zur Wasserspeicherung verwendet.

Um die neue Leitung zum alten Behälter ringen zu können, musste ein riesiger Graben in Baggerbreite ausgeworfen werden. Erst dann konnten die Rohre in 3 Meter Tiefe verlegt werden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 32.000 Deutsche Mark.

Im Juli feierte unsere Freiwillige Feuerwehr ihr 25jähriges Bestehen. Den vorstehenden Zeitungsartikeln möchte ich nur noch hinzufügen, dass der Festzug am Sonntag ein wirklicher Höhepunkt war. Besonderen Anklang fanden die von Fräulein Moeckel geschmückten Blumenmädchen und die von mir ausgerüstete historische Wehr. Selbst Landrat Weber meinte, dass dies der schönste Festzug gewesen sei, den er je gesehen habe, und er hat bestimmt schon viele gesehen.

(Auf den folgenden Seiten zeigt Herr Jung Zeitungsartikel, die sich mit dem Thema "Ulmtalsperre" befassen. Um die Sache etwas abzukürzen, werden hier nur die Überschriften der Artikel und ihr Erscheinungstag in der Presse aufgeführt. – Anm. Dorfarchiv)

  • 28. Juni  1958 — Die Ulmbachtalsperre ist im Werden (WNZ)
  • 20. Sept. 1958 — Kreistag will sich nicht festlegen (WNZ)
  • 29. Sept. 1958 — Klares Wasser ist kostbar (WNZ)
  • 10. Jan.  1959 — Gegen "Verrummelung der Landschaft" (WNZ)

Zum letztgenannten Artikel schreibt Herr Jung: "Ich persönlich bin der Meinung, dass die Talsperre zwar die Hochwassergefahren endgültig beseitigt, ob sie uns aber zum Segen gereicht möchte ich bezweifeln. Mit unserem stillen, beschaulichen Leben dürfte es dann endgültig vorbei sein."

Es folgen nun weitere Zeitungsartikel:

  • 15. Jan. 1959 — Um den Bau der Ulmbach-Talsperre (WNZ)
  • 15. Jan. 1959 — Für und wider die Ulmbachtalsperre (WNZ)
  • 20. Jan. 1959 — Wasserverband zur Ulmtalsperre - Satzungsentwurf und Wünsche diskutiert (WNZ)
  • 4. Febr. 1959 — Zum Problem Ulmbach (WNZ)
  • 14. März 1959 — Nochmals – Ulmbachtalsperre (WNZ)
  • 19. März 1959 — Diskussion um die Ulmbachtalsperre (WNZ)

Dann hat Herr Jung einen Zeitungsartikel mit der Überschrift "Land, das Kraft gibt und Schwung" archiviert. Eingangs beschreibt dieser Artikel mit romantischen Worten die Lage Holzhausens, streift kurz das Thema Talsperrenbau, ohne Stellung zu beziehen und beschäftigt sich im Folgenden mit den Problemen, die von der Gemeindeverwaltung in Zukunft bewältigt werden sollen. Als da wären: die geplante Flurumlegung,  der geplante Wegebau, der Umbau der Lehrerwohnungen zu Verwaltungsräumen. Der Autor zählt die Vereine von Holzhausen auf und erwähnt, dass man in Holzhausen einen  Kur- und Verkehrsverein gründen will. Er schließt seinen Artikel mit den Worten von Arnold Krieger: "Dieses Land ist groß und elementar, es fasst zusammen, es konzentriert, es gibt Kraft und Schwung."

Ein Artikel vom 15. April 1958, mit Fotografie, zeigt die neugebaute Brücke über den Ulmbach in der heutigen Katzenfurter Straße. Man liest hier, dass sie 18 Tonnen tragen kann und deshalb das Befahren mit schweren Lastzügen ohne Risiko ist.

Der Chronist erzählt, dass er bei der Holzversteigerung am 15.3.1958 für vier Meter Holz 100 DM bezahlt hat. Die Nutzholzpreise seien allerdings um 1/3 gefallen.

Außerdem schreibt er weiter: In den Zeitungsausschnitten ist soviel über unser Dorf gesagt, dass für den Chronisten nicht mehr viel übrig bleibt. Ich möchte deshalb zum Schluß noch über einige weniger wichtige Begebenheiten berichten:

Zu erwähnen wäre noch, dass im vergangenen Jahr ein weiterer Teilabschnitt der Kanalisation "Im Brühl" und "Im Tor" ausgeführt wurden. Die Kosten beliefen sich auf 22.000 DM.

Am 3.11.1958 wurde eine Bürgerversammlung abgehalten, die recht gut besucht war. Es sprachen Landrat Weber über allgemeine kommunalpolitische Fragen und der Vorsitzende des Bauernverbandes zur kommenden Flurbereinigung, die im nächsten Jahr beginnen soll.

  • Geboren wurden 9 Jungen und 11 Mädchen.
  • Es starben 6 Männer und sieben Frauen.
  • 24 Personen zogen nach Holzhausen und 17 weg.


Gottes Segen auch im neuen Jahr!

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