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1912

Im Jahr 1912 wurde in der Chronik der Bürgermeisterei Greifenstein, zu der auch Holzhausen gehörte, folgendes festgehalten:

"Die äußerst milde Witterung des vorhergegangenen Herbstes mit ihren häufigen und reichlichen Niederschlägen setzte sich auch mit kurzen Unterbrechungen vom 14. bis 21. Januar und vom 4. bis 6. Februar den ganzen Winter hindurch fort und verlief rechtschneearm. Die geringen Schneedecken schmolzen langsam hinweg und brachten kein Hochwasser, wohl aber starken Regen Anfang März. Wenn auch im April und Anfang Mai noch an einzelnen Tagen Nachtfröste eintraten, so hob sich die Temperatur rasch, so dass schon Anfang März einzelne Gewitter erschienen und am 12. Mai bereits 30 Grad C Wärme im Schatten gemessen wurden. Zahlreiche aber wenig ergiebige Regengüsse gingen im Frühjahre nieder, dann aber folgte im Gegensatz zu der anhaltenden Trockenheit des Jahres 1911 vom letzten Drittel des Juli ab ein Regenwetter, das mit nur kurzen Unterbrechungen mehrere Wochen bis Ende des Jahres anhielt. Die Temperatur im September und Oktober war deshalb auch schon eine für die Jahreszeit zu geringe und Nachtfröste im Anfang und Mitte Oktober zu frühe. Am 23. Juli brach ein äußerst starkes Gewitter im Ulmtale los, bei dem der Blitz in Allendorf wiederholt einschlug, in einem Stall ohne zu zünden eine Kuh tötete und eine andere einäscherte, nachdem schon am 11. des Monats ein heftiges Gewitter mit Hagelschlag die Gemarkungen Biskirchen und Stockhausen neben anderen im Lahntale arg verwüstet und die Sommerfrüchte zerstört hatte.

Besondere Unglücksfälle ereigneten sich in dem Jahre nicht, als dass ein 12-jähriger Knabe in Allendorf am 2. September bei der Vorbereitung des Sedanfeuers den Tod erlitt. Ein zum Holzherbeifahren benutzter Wagen geriet an einer abschüssigen Wegstelle in zu raschen Lauf und warf den Knaben, der an der Deichsel mitangefasst hatte zu Boden, so dass er einen Schädelbruch sich zuzog.

Die Ernte war eine gute, aber durch das anhaltende Regenwetter im August und September litten die geernteten Halmfrüchte sehr und konnten erst spät eingefahren werden. Die Obsternte war nur stellenweise befriedigend, am besten waren die Zwetschen und Birnen geraten. Trotzdem hatten die Bäume im Frühjahr außerordentlich zahlreiche Blüten entwickelt. Die Herbstbestellung konnte wegen der Witterung nur langsam vor sich gehen.

Die Gemeinden hatten einen schweren Kampf gegen die Forstverwaltung besonders wegen der Anerkennung der neu angefertigten Betriebspläne mit ihren übertriebenen Umwandlungsabsichten der Laubholzbestände in Fichtenbestände. Die Stimmung war schon deshalb eine recht ungünstige, weil infolge der Trockenheit des Jahres 1911 so außerordentlich viele junge und alte Bäume noch während des Jahres 1912 eingingen.

In Biskirchen wurde die Hochdruckwasserleitung während des Sommers erbaut und in Edingen während des Winters. Erstere kostete im Ganzen rund 60.000 Mark und letztere 20.000 Mark. Die Quelle für Stockhausen wurde noch während des Herbstes erschürft an dem Wiesengrunde oberhalb des Dorfes am Wege nach Bissenberg. Nur Holzhausen wehrte sich gegen die Erbauung einer Hochdruckwasserleitung, obwohl auch dort die Einrichtung eine sehr wünschenswerte ist.

Am 1. Dezember gingen auf dem Todtmal bei Ulm zwei Luftballons nieder, die mit acht anderen in Bonn zu einer Zielfahrt aufgestiegen waren.

Nachdem bereits während des Frühjahrs und Sommers die endgültigen Vorarbeiten für eine Eisenbahn durch das Ulmtal von Stockhausen bis Beilstein durchgeführt waren, fand am 17. Dezember bereits eine landespolizeiliche Prüfung statt. Man hofft sehr, dass bereits im Jahre 1913 mit dem Bau begonnen wird.

Die Gefahr des Ausbruchs eines europäischen Krieges infolge der Verwicklungen durch den Balkankrieg hat zwar da und dort einige Besorgnis hervorgerufen, aber die Bevölkerung hat doch mit guter Zuversicht und Vaterlandsliebe die Sachlage aufgenommen. Obwohl gegen Ende Dezember die Schwierigkeiten behoben zu sein scheinen, erwartet man dennoch allgemein den Ausbruch des Kampfes im Frühjahr 1913.

Am 21. Dezember wurde der Gendarmerie-Wachtmeister Hermann Karl Schippereit zu Ehringshausen zum Bürgermeisterei-Sekretär gewählt an Stelle des mit 1. November aus dem Dienste entlassenen Sekretärs Hermann Droß aus Allendorf.

In Edingen wurde noch im November der Bau eines zweiten Schulhauses begonnen, das bis zum Frühjahre ganz fertiggestellt werden soll."

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