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1911

Im Jahr 1911 wurde in der Chronik der Bürgermeisterei Greifenstein, zu der auch Holzhausen gehörte, folgendes festgehalten:

Das Jahr begann mit stiller Witterung und gelinder Temperatur. Es lag zwar eine ungefähr 20 cm hohe Schneedecke längere Zeit hindurch, aber doch war der ganze Winter als schneearm zu bezeichnen. Er war entschieden härter als der vorjährige, jedoch muss er den milden zugerechnet werden. Die größte Kälte wurde am 15. Januar mit -15 Grad C gemessen.

Im Februar fiel viel Regen in der 2. Hälfte bei zuweilen stürmischen Winden. Im April erfolgte ein hässlicher Rückschlag (vom 4. bis zum 7.), so dass die Temperatur sogar auch am Tage unter 0 Grad C blieb. Das Frühjahr entwickelte sich trotzdem äußerst günstig für die Landwirtschaft, so dass man in jeglicher Hinsicht auf eine vorzügliche Ernte zu rechnen wagte.

Aber schon im Juni erkannte man, dass außer Kirschen und Zwetschen auf keine nennenswerte Obsternte trotz der günstigen Birnenblüte gehofft werden konnte, aber auch die Kirschen fielen vielfach halbentwickelt vornehmlich infolge der schon Ende Mai einsetzenden Trockenis von den Bäumen.

Infolge der günstigen Frühjahrswitterung waren alle Feldfrüchte recht schnell gewachsen, so dass man schon vielfach die Heuernte vor Mitte Juni begann, die auch ziemlich reichlich ausfiel, ebenso wie die der Körner (Roggen). Da aber die Trockenis anhielt, so ergab sich beinahe keine Grummeternte außer auf einigen nassen Wiesen. Ebenso war die Kartoffel-, Gemüse- und Haferernte mit geringen Ausnahmen eine höchst dürftige, in einigen Gemarkungen wie der von Ulm, Edingen, Greifenstein auch Holzhausen geradezu als Missernte zu bezeichnen. Viel Vieh wurde doch vorzeitig verkauft, besonders wurden Kartoffeln von auswärts bezogen.

Erst am 21. September trat ein kräftiger Regen ein, aber erst um die Weihnachtszeit zum Teil auch später, hatte sich die Erde mit der normalen Feuchtigkeit gefüllt, dank der frostfreien Witterung.

Mit Ausnahme der Hochdruckwasserleitungen von Greifenstein und Bissenberg haben die Übrigen trotz der furchtbaren Dürre gut sich bewährt, während die Gemeinden, die auf Brunnen angewiesen waren, sehr unter Wassermangel litten. Die Wasserleitung in Bissenberg versagte nur deswegen, weil der hydraulische Widder zuviel Betriebswasser in Anspruch nimmt. Die schwierigen Verhältnisse des ungemein trockenen und heißen Sommers (an manchen Tagen 34 bis 35 Grad C im Schatten an der Nordseite von Gebäuden) brachten es zuwege, dass man den Bau der Wasserleitungen allenthalben schärfer in die Hand nahm. So wurde die von Edingen (Kosten ungefähr 20.000 Mark) bis Ende des Jahres beinahe ganz durchgeführt und die Quellfassungsarbeiten für Biskirchen erledigt.

Die Abschürfungen dazu im Erlengrund (Gemarkung Bissenberg) gestalteten sich recht schwierig und verursachten einen Kostenaufwand einschließlich der Fassungsarbeiten von über 9.000 Mark.

Auch Stockhausen hat endlich unter dem Druck der Verhältnisse sich zum Bau einer Hochdruckwasserleitung verstanden, so dass nur noch der Entschluß der Gemeinde Holzhausen aussteht. Diejenige von Stockhausen soll im Herbste 1913 zur Ausführung gelangen.

Die Dürre des Sommers hat in allen Waldungen großen Schaden angerichtet, indem besonders die Fichten selbst bis zum 40 - 50jährigen Alter abstarben, besonders aber die jüngeren Bestände und Kulturen mitunter ganz zugrunde gingen. Trotzdem versucht die Forstverwaltung immer noch an einem übertriebenen Fichtenanbau festzuhalten im Gegensatz zur Stimmung der Bevölkerung.

Eine gute Eichelmast hilft etwas zum Kampfe gegen jene Richtung und werden wohl die beinahe fertiggestellten Betriebspläne diesen Umständen Rechnung tragen.

Trotz der Dürre wurde der Bezirk nur von geringfügigen Waldbränden heimgesucht. Es kamen aber 2 Häuserbrände vor und zwar am 6. Juli in Allendorf und auf dem Waldhofe Elgershausen, wo einige Schuppen verbrannten mit einem Schaden von 4268 Mark. In beiden Fällen war der Schaden durch Versicherung gedeckt.

Während des Sommers fand die endgültige Ausarbeitung des Projektes für eine Ulmtalbahn statt, so dass wohl im Winter 1913 die Vorlage an das Abgeordnetenhaus gelangen wird.

Im Herbste fanden in allen Gemeinden die regelmäßígen  Neuwahlen zu den Gemeinderäten statt. Die Beteiligung war auch diesmal wie bei den beiden früheren eine recht rege. Bei den Neuwahlen der Vorsteher fiel der langjährige Vorsteher Friedrich Cornelius zu Stockhausen aus, und wurde an seiner Stelle der Kaufmann Wilhelm Droß gewählt. In Allendorf wurde als Vorsteher der Wilhelm Friedrich Krauß zum Vorsteher gewählt, nachdem der langjährige Vorsteher Henrich freiwillig verzichtet hatte. In Greifenstein wurde an Stelle des Vorstehers Piscator der Bauer und Schuster Heinrich Schweitzer III zum Vorsteher gewählt und in Greifenthal an Stelle des Bezirksvorstehers Heinrich Feuring der Heinrich Wallang daselbst.

Der alte Pfarrer Stuhl in Ulm trat mit 1. Oktober 1911 in Ruhestand und an seine Stelle kam der Sohn Ernst Stuhl bisher Pfarrer in Greifenstein, während als Pfarrer nach Greifenstein der Pfarrvikar Otto Henn berufen wurde.

Im Ulm übernahm an Stelle des nach Wetzlar berufenen Lehrers Medebach die Schulstelle der Lehrer Batz.

Der Kampf für die Reichstagswahlen hat schon im Herbste begonnen und wird nicht immer in anständiger Form geführt.

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