Sie befinden sich hier

Inhalt

Datum und Zeit

Datensalat

Artikel gefunden und kommentiert von Joachim Kohl

Aus der Zeitchrift GEO vom 04. April 2011

Sechs Uhr heißt zur Sommerzeit nun wieder sieben Uhr: ein für Langschläfer lästiger, historisch gesehen aber ein läppischer Bruch im Zeitstrahl. Denn der weist seit Erfindung der frühesten Kalender so viele Lücken auf, dass Astronomen im 19. Jahrhundert frustriert auf eine bereits im 16. Jahrhunder entwickelte Zeitrechnung zurückgriffen, mit der Zeitspannen eindeutiger zu messen waren: das julianische Datum. Zum 1 April 2011 zwölf Uhr lautet es 2455653 - was der Zahl der Tage entspricht, die seit dem 1. Januar des Jahres 4713 v. Chr. vergangen sind.

Für die Wahl des unverdächtigen Nullpunktes sprachen mathematische Gründe. Ein seltenes Motiv in der Geschichte der Zeitrechnung, die sonst oft dem Takt politischer Machtwechsel folgte. Schon in Ägypten wurden die Kalender auf eins zurückgestellt, wenn ein neuer Pharao seinen Thron bestieg. Die Methode blieb populär - vom makedonischen Feldherrn Seleukos I., der die Zeit nach seiner Eroberung Babylons im Jahr 312 v. Chr. auf Anfang stellte, bis zum nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Il, der 1997 den Beginn der Zeitrechnung auf 1912 verlegte. Das ist das Geburtsjahr seines Vaters Kim Il-sung.

Wesentlich verwirrender sprangen die Finanzverwalter des Osmanischen Reiches mit der Zeit um. Vom 15. bis ins 19. Jahrhundert ließ ihr Maliye-Kalender etwa alle 33 Jahre ein Jahr aus, um mit dem islamischen Mondkalender synchron zu bleiben. In die christliche Zeitrechnung schlug die prominenteste Bresche Papst Gregor XIII., der die Uhr am 4. Oktober 1582 um zehn Tage vordrehte. Sein neu eingeführter Kalender sollte die Datierung des Osterfestes erleichtern. Er erwies sich aber auch sonst als brauchbar, dass er bis heute fast überall in der Welt verwendet wird.

622 Am 16. Juli wandert der Prophet Mohammed nach Medina aus - Beginn der islamischen Zeitrechnung, deren Jahre dem Mondkalender folgen.

1893 Überall in Deutschland wird an den Uhren gedreht: Nachdem bislang jede Stadt ihre eigene Ortszeit hatte, wird eine landesweit gültige Zeit eingeführt.

1972 wird das Jahr nach Einführung der koordinierten Weltzeit (UTC) um den 29. Februar plus zwei Schaltsekunden verlängert: Bisher das längste Jahr seit Gültigkeit des gregorianischen Kalenders.

2007 Der venezolanische Präsident Hugo Chavez lässt alle Uhren  im Land eine halbe Stunde zurückstellen - und schafft sich so seine eigene Zeitzone.

 

Kommentar:
Leben wir in der Zeit die heute gültig ist? Lange lag die Geschichtsschreibung und somit auch die Aufzeichnung der zeitlichen Abfolge in den Händen der Herrscher und der Kirche. Und wie oben gelesen, galt nicht immer eine einheitliche Zeitrechnung. Jeder kann sich darüber seine eigenen Gedanken machen.

Kontextspalte

Mitgliedschaft im HUG

Sie finden gut, was wir tun? Unterstützen Sie unsere Arbeit - werden Sie Mitglied. 

Näheres und einen Aufnahmeantrag finden Sie auf Seite Öffnet internen Link im aktuellen FensterMitglied werden.